Fischereiverband Oberbayern e.V.

Verband für Gewässer- und Artenschutz

3. Tag auf der Jagd, Fisch & Natur 2015

Bild: 3. Tag auf der Jagd, Fisch & Natur 2015

Spaß, Hege und Pflege oder
„Catch & Release, statt Catch & Freeze“

„Zurücksetzen von Fischen, Möglichkeiten und Zwänge“:
Dieses Thema sorgte auf der Messe Jagd, Fisch und Natur 2015 in Landshut für eine lebhafte Diskussion, in der viele interessante Aspekte des Fangens und gegebenenfalls wieder Freilassens von Fischen beleuchtet wurden.

Eingeladen hatte dazu der Landesfischereiverband Bayern. Auf dem Podium diskutierten Fred Bloot, Vorsitzender der 700.000 Mitglieder starken European Angleralliance, Manfred Braun, in Bayern einer der führenden Juristen, was die Fischerei betrifft, Rolf Fischknecht vom schweizer Bundesamt für das Veterinärwesen, und Michael Schubert vom Insititut für Fischerei. Die Moderation lag in den Händen des SZ-Redakteurs Rudolf Neumaier.

Die Positionen waren höchst gegensätzlich. Den „liberalsten“ Standpunkt, was Catch & Release betrifft, vertrat Fred Bloot. In seiner Heimat Holland sieht die fischereiliche Praxis so aus, dass ein Angler, der einen gefangenen Karpfen tötet, um ihn zu verwerten, schief angeschaut wird. „Spaßangeln“ sei in der holländischen Kultur verwurzelt und politisch korrekt, berichtete Bloot sinngemäß, und forderte damit den Widerspruch von Manfed Braun heraus, der klarstellte:
„Catch & Release ist in Deutschland klar verboten.“ Die Fischerei sei in Bayern „gesellschaftlich anerkannt“ - unter anderem auch aus genau diesem Grund. Aber selbst der Jurist Braun kann sich Gelegenheiten vorstellen, bei denen „man dem Angler begenzte Freiheit geben kann“. Er formulierte das Beispiel vom Fisch, der kurz vor der Schoneit, den Bauch schon voller Laich, nach dem Fang wieder ins Gewässer zurückgegeben wird, „auch wenn das nach den Buchstaben des Gesetzes verboten ist.“

Auch die anderen Diskussionsteilnehmer stellten die gesetzliche Hegepflicht in die Mitte ihrer Beiträge. Vor allem der schweizer Teilnehmer Rolf Frischknecht argumentierte: „Aus ökologischer Sicht macht es oft Sinn, Fische zurückzusetzen“. Frischknecht ist als Veterinärfachmann der Ansicht, dass die Fischer mit ihrer Ausbildung, „in jedem Einzelfall selbst entscheiden können, einen Fisch zurückzusetzen.“ Bloot rechnete vor, dass ein zurückgesetzer Meterhecht im Gewässer einen ökologischen Wert von 800 Euro repräsentiere, während er in Holland auf dem Markt gerade einmal 10 Euro bringe.

Ganz anders argumentierte Michael Schubert vom Institut für Fischerei: „Das kann man nicht dem einzelnen Angler überlassen“, forderte er die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen in Bayern. Aber auch er räumte ein, dass es unter Umständen sinnvoll sein könne, „keinen Fisch zu entnehmen, der im Bestand bedroht ist“. Er ist jedoch der Ansicht, dass die Fischerei „strenge Regeln braucht, weil sie sonst angeifbar wird“.

Frischknecht berichtete, dass auch in der Schweiz, in der das Zurücksetzen von Fischen als sinnvoll betrachtet und entsprechend gesetzlich geregelt wurde, Angler, die für ihre Trophäenfotos Fische unnötig lange einem Stress aussetzen würden, mit einer Anzeige rechnen müssen. „Es liegt auch immer daran, wie sich die Angler in der Öffentlichkeit präsentieren“, sagte Moderator Neumaier.

„Es gibt auch übertriebene Forderungen des Tierschutzes“, meinte Jurist Braun und erinnerte an zahlreiche Anzeigen von Tierschützern gegen die traditionellen Königsfischen in Bayern. Frischknecht überraschte das Auditorium mit der in der Schweiz wissenschaftlich fundierten Erkenntnis, dass „Catch & Release“ insgesamt zu höheren Erträgen aus den Gewässern führt. Das erklärt Bloot so: „Große Hechte sind wahre Laichfabriken.“

Der Vizepräsident des Landesfischereiverbandes Bayern, Willi Ruff, zog aus der Diskussion folgenden Schluss: „Wir müssen einen Mittelweg finden und dabei dem einzelnen Fischer die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden. So sah das auch der Präsient des Landesfischereiverbandes Bayern, Prof. Dr.-Ing. Albert Göttle in seinem Schlusswort: „Fischen ist nicht nur Spaß, sondern auch Hege und Pflege. Und diesen Spagat müssen wir leisten.“

Text:
Michael Seeholzer


Weitere Fotos der Veranstaltung:



Veröffentlicht durch
Thomas Schiffler
am 03.10.2015