Fischereiverband Oberbayern e.V.

Verband für Gewässer- und Artenschutz

Ungleichgewicht durch einseitigen Schutz!

Bild: Ungleichgewicht durch einseitigen Schutz!

Salzburg, Februar 2018
Gemeinsame Presseerklärung der Fischereiverbände Oberbayern, Salzburg und Österreich

Die heimischen Bäche, Flüsse und Seen gehören zu den gefährdetsten Lebensräumen mit den höchsten Aussterberaten pro Flächeneinheit. Der Verlust von Lebensräumen und die Verschmutzung der Gewässer, das Aufkommen von invasiven Arten und die steigenden Wassertemperaturen als Folge des Klimawandels setzen der heimischen Fischfauna schwer zu.

Übergeordnetes Ziel der fischereilichen Bewirtschaftung ist daher – ganz im Sinne des Übereinkommens über die biologische Vielfalt – der Erhalt und die Wiederherstellung standorttypischer Fischartengesellschaften sowie deren Lebensräumen.

Zahlreiche solcher Maßnahmen wurden bis dato umgesetzt und haben dazu beigetragen, dass sich bereits ausgerottete gewässertypische Faunenelemente, so auch die fischfressenden Arten Fischotter, Kormoran und Gänsesäger, wieder angesiedelt haben beziehungsweise ihre dezimierten Populationen stärken konnten. Der durch diese Arten einhergehende und zunehmende Fraßdruck hat einen massiven Einfluss auf die heimischen Fischbestände: Die Bestandsrückgänge sind alarmierend!

Die Situation ist nicht nur aus fischereiwirtschaftlicher Sicht besorgniserregend. Auch aus gewässerökologischer beziehungsweise naturschutzfachlicher Sicht besteht dringender Handlungsbedarf unter dem Aspekt des Schutzes seltener Fischarten! Die Fischereiverbände fordern daher adäquate Maßnahmen wie die Förderung von Präventivmaßnahmen wo diese möglich sind, die Verbesserung der gewässerökologischen Rahmenbedingungen, die finanzielle Unterstützung geschädigter Fischereibewirtschafter, aber auch die Möglichkeit eines Regulativs der Prädatoren durch eine Entnahme.

Aufgrund einer Reihe menschlicher Einflüsse auf die Gewässer sind die ökologischen Wechselbeziehungen deutlich gestört. Insbesondere der Druck von Prädatoren auf unsere heimischen Fischbestände hat sich in den letzten Jahren deutlich verschärft, die Prädatoren selbst unterliegen keiner Regulierung durch den Wegfall ihrer natürlichen Feinde. Begünstigend für den Jagderfolg wirkt sich vor allem eine flächendeckend vorhandene Kulturlandschaft aus, welche viele strukturelle, degradierte Wasserkörper beherbergt. Die Fische sind somit leichte Beute auf dem Präsentierteller. Sind die Jagdgründe erschöpft, ziehen Vogel und Marder weiter ins nächste Jagdgebiet. Übrig bleiben Rumpfpopulationen gefährdeter Fischarten.

Die Bemühungen der Fischereiverbände und –vereine, die Fischbestände durch ökologische Verbesserungsmaßnahmen an den Gewässern, besondere Schutzmaßnahmen wie ganzjährige Schonung bestimmter Fischarten, Wiederansiedelungsprojekten und durch angepassten Fischbesatz zu stabilisieren, werden oft durch das anhaltend starke Aufkommen der Prädatoren zunichtegemacht.

Die Fischereiverbände Salzburg und Oberbayern und der Österreichische Fischereiverband sehen es als Verpflichtung und als Aufgabe an, die Gewässer in ihrer Schönheit und mit ihrer Artenvielfalt für die nächsten Generationen zu erhalten, aber auch die nachhaltige fischereiliche Nutzung zu gewährleisten und somit den heimischen Fisch auf unserem Teller. Es werden daher flächendeckende Maßnahme für ein Regulativ der Fischprädatoren gefordert.


Fischereiverband Oberbayern e.V.
Landesfischereiverband Salzburg  
Fischereiverband Österreich - kurz ÖFV  

Veröffentlicht durch
Thomas Schiffler
am 26.02.2018