Fischereiverband Oberbayern e.V.

Verband für Gewässer- und Artenschutz

Pressemitteilung: Umweltdesaster am Nasenbach

Bild: Pressemitteilung: Umweltdesaster am Nasenbach
Einer der letzten Laichplätze der mittlerweile in Bayern gefährdeten Fischart Nase liegt im unteren Abschnitt des Nasenbaches, kurz vor der Mündung in den Inn im Landkreis Rosenheim. Durch Wasserentzug und Gewässerverschmutzung droht dieser Laichplatz jetzt endgültig verloren zu gehen. Die zuständigen Behörden handeln nicht.   
 
Als linker Zufluss des Inn mündet der Nasenbach nahe der Ortschaft Königswart, einem Ortsteil der Gemeinde Soyen, gut 10 km unterhalb Wasserburg in den Inn. Weit älter als die Geschichte des Burgstalls Königswart, die sich bis in das 12. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, ist die Geschichte des Nasenbaches als Laichgewässer der Fischart Nase. Bereits seit dem Rückzug der Gletschereismassen am Ende der Würmeiszeit und mit der Wiederbesiedelung der voralpinen Fließgewässer durch die Fische aus dem mittleren und unteren Donauraum, also etwa seit 10.000 Jahren, ziehen die Nasen alljährlich im Frühjahr in großen Schwärmen innaufwärts, um in den wärmeren Nebengewässern ihr Laichgeschäft zu verrichten. In den Unterlauf des Nasenbaches sind die Nasen noch vor einigen Jahren in stattlichen Stückzahlen eingewandert, um auf dem kiesigen Substrat des Baches ihren Laich abzugeben. 

 

Seit Inbetriebnahme des Soyenseekraftwerks im Jahr 1923 wird der Nasenbach vollständig in den Soyensee abgeleitet und von dort durch einen Stollen über die Innleite dem Kraftwerk Vorderleiten zum Zwecke der Stromerzeugung zugeführt. Eine im Bach verbleibende Restwassermenge ist anscheinend nicht festgelegt. Zwischen der Abzweigung des Nasenbaches in den Soyensee und der Ortschaft Mühltal verläuft der Nasenbach seit Mitte der 1960er Jahre unterirdisch in einer Rohrleitung, dem sogenannten Seekanal. Dieser führt aber kein Wasser aus dem Nasenbach, auch wenn dies in Landkarten (google maps) so verzeichnet ist, sondern dient vielmehr der Drainage feuchter Flächen westlich von Soyen und entlang des ehemaligen Bachbettes des Nasenbachs sowie der Entlastung im Hochwasserfall. Im Widerspruch zu den tatsächlichen Gegebenheiten ist in den Planunterlagen zur „Dorferneuerung Soyen“ (2016, S.93, abrufbar in Internet) offensichtlich völlig falsch dargelegt, dass der Hauptbach vor der Mündung in den See nach Norde abgeleitet wird, um zunächst unterirdisch, dann offen zur Ortschaft Mühltal und dann weiter bis zur Mündung bei Königswart in den Inn zu fließen.  

 

Das Laichgebiet der Nase im Unterlauf des Nasenbaches speist sich im Wesentlichen aus dem Ablauf der Soyener Kläranlage „Mühltal“, einigen Drainageleitungen und Quellzuläufen an der Innleite sowie aus dem aus westlicher Richtung von Haag her zufließenden Altdorfer Mühlbach. Die Kläranlage Mühltal entlässt die gereinigten Abwässer der Gemeinde Soyen nahezu unverdünnt in das ehemalige Bachbett des Nasenbaches. Auch die Wasserqualität des Altdorfer Mühlbachs ist aufgrund mehrerer Kläranlageneinleitungen nur mäßig.  

 

Normalerweise dürfen Kläranlagen nur in Gewässer einleiten, die über ein ausreichendes Aufnahmevermögen verfügen. Ein Aus diesem Grund hat der Landesfischereiverband Bayern als anerkannter Naturschutzverband im Frühjahr 2021 Klage gegen den Genehmigungsbescheid der Kläranlage Soyen (Mühltal) vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht in München erhoben. Ziel der Klage ist die behördliche Festlegung einer angemessenen Restwassermenge im Nasenbach.   

 

Das Laichgebiet der Nasen leidet sowohl unter dem Wassermangel infolge der vollständigen Ausleitung des Nasenbaches in den Soyensee als auch unter der daraus resultierenden unzureichenden Wasserqualität. Untersuchungen der Laichplatzqualität am Nasenbach durch die TU München haben ergeben, dass im kiesigen Substrat des Nasenbaches sauerstoffzehrende Bedingungen herrschen, die eine erfolgreiche Entwicklung der Fischeier und Larven stark beeinträchtigen.   

 

Bei Niedrigwasser ist der Wasserstand im Mündungsbereich des Nasenbaches so niedrig, dass laichbereite Nasen nicht mehr in den Bach einwandern und ihr Laichhabitat erreichen können. Auch an den Laichplätzen selbst ist die Wassertiefe mit nur ca. 5 cm zum Ablaichen dann zu gering.   

 

Aus diesen Gründen nimmt der Bestand laichender Nasen Jahr für Jahr ab. Im letzten Jahr waren es vielleicht noch 100 Laichfische. Sollte das Laichgeschäft heuer aufgrund der geringen Wasserführung ausfallen, so besteht die Gefahr, dass die lokale Nasenpopulation am Nasenbach erlischt. Obgleich das Trauerspiel dem zuständige Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt in Rosenheim lange bekannt ist und von den zuständigen Sachbearbeitern bereits 2016 eine Verbesserung der Situation am Nasenbach für erforderlich gehalten wurde, findet sich offenbar kein Wille und kein Weg, diesem Naturfrevel durch Festlegung eines angemessenen Mindestwasserabflusses entgegenzusteuern. Obwohl der Nasenbach im Unterlauf als Biotop kartiert ist und im FFH-Gebiet „Innauen und Leitenwälder“ liegt, besteht auch im Rathaus Soyen kein gesteigertes Interesse an einer Änderung der bestehenden Situation. Offensichtlich wiegen die wirtschaftlichen Interessen der Kraftwerksbetreiber höher als die naturschutzfachlichen Belange.  

 

Durch menschliches Profitstreben verursachtes Artensterben gibt es also nicht nur im Regenwald des Amazonas, sondern ebenso in den Auwäldern des bayerischen Inn.  
 
 

Über den Fischereiverband Oberbayern: 
 Der Fischereiverband Oberbayern vertritt rund 36.000 Mitglieder, die in über 215 Genossenschaften und Angel- und Fischereivereinen in Oberbayern organisiert sind. Er ist der weitaus stärkste Einzelverband innerhalb des Landesfischereiverbandes Bayern und versteht sich sowohl als Verband für Arten- und Gewässerschutz als auch als kompetente Vertretung der Angel- und Berufsfischer Oberbayerns, darunter Fluss- und Seenfischer sowie Fischzuchtbetriebe. Zudem werden durch die Bezirksjugendleitung über 3.000 Jugendliche in Oberbayern betreut und mit einer fundierten Ausbildung an die Verantwortung für die Natur unter Wasser herangeführt.